Archive for the ‘Allgemein’ Category

Refugees

Dienstag, März 22nd, 2016

Ein Teller warme Suppe
Flucht ist für mich nichts Unbekanntes. Als ich 7 Jahre alt war, das war 1945 kurz nach Kriegsende, haben mich die Kriegs- und Nachkriegswirren ins sächsische Oberfrohna gespült. Es herrschte Hungersnot. Wir (meine Mutter, meine Schwester (11 Jahre), und ich) entschlossen uns deshalb, bei Nacht und Nebel Richtung Westen zu ziehen, und zwar in die Nähe von Bremen, weil meine Mutter da herkommt.
Wir sind dann auch nach einer abenteuerlichen Flucht über die „grüne Grenze“ endlich auf einem Bauernhof südlich von Bremen gelandet (in Bremen selbst war nichts mehr frei, weil ein großer Teil der Häuser in Trümmern lag).
Ich weiß noch genau wie das war, als wir endlich auf einem Bauernhof ankamen. Es roch so würzig. Als wir dann in die Küche kamen, stellte die Bäuerin jedem von uns einen Teller Suppe hin, und was für eine! Ein Teller mit Suppe, auf der Fettaugen schwammen! Meine Schwester und ich waren so fassungslos, dass wir zunächst nur dasaßen und auf die Suppe starrten. Erst als die Bäuerin, die inzwischen mit den Tränen kämpfte, uns zum Essen aufmunterte, griffen wir beide wie auf Kommando zum Löffel, und schlangen in Höchstgeschwindigkeit die Suppe in uns rein.
Ich kann mich noch sehr gut an das Gefühl erinnern, endlich irgendwo angekommen zu sein bei Menschen, die mir etwas zu Essen gegebenen haben, in einem richtigen Bett zu schlafen, und nicht unter einem Regencape.
Deshalb meine Bitte an alle, die etwas gegen Flüchtlinge einzuwenden haben:
Bitte nehmt die Flüchtlinge auf, gebt ihnen etwas zu Essen, gebt ihnen Unterkunft!
HvH

Rätselhaftes Sein

Montag, Januar 5th, 2015

Hans Joachim von Hörsten — 4.1.2015

Rätselhaftes Sein.

Ich existiere!
Es ist das Ereignis eingetreten, dass an einer besatimmten Stelle des Weltalls auf einem kleinen blauen Planeten zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Exemplar von homo sapiens geboren wurde, und dieser homo sapiens stellt fest: das bin ich!
Weshalb aber dieser ganz bestimmte homo sapiens, weshalb gerade dieser Mensch Nr.X, der erkannt hat: das bin ich? Würde es mich geben, wenn z.B. eine andere Spermie die Eizelle befruchtet hätte, aus der dieser Mensch Nr.X entstanden ist? Oder gäbe es dann meinen Bruder oder meine Schwester, und mich gäbe es dann nicht? Eineiige Zwillinge sind zwei völlig unabhängige Menschen. Somit können die Gene an der Entstehung des jeweiligen Bewusstseins nur soweit beteiligt sein, als sie lediglich die Möglichkeit zur Erlangung von Bewusstsein bieten.
Kosmologen haben festgestellt, dass die Tatsache, dass es überhaupt in der Welt einen bewohnbaren Planeten gibt, ein unglaublicher Zufall ist (u.a. das Problem der „Feineinstellungen der Naturkonstanten“, und noch einige Zufälle mehr). Auch die Tatsache, dass die Erde die passende Größe und Zusammensetzung hat, und um einen Zentralstern kreist mit genau der passenden Strahlungsintensität, und das auch nur zum genau passenden Zeitpunkt! Es ist also ein unglaublicher Zufall, dass die Welt so ist, wie sie ist. Wenn ich jetzt annehme, dass Bewusstsein etwas Ewiges ist, dann hat Ewiges Bewusstsein anscheinend die Tendenz, sich in zeitlichen materiellen Objekten zu manifestieren, wenn diese dafür ausgestattet sind. Tiere erleben die Welt sicher anders als Menschen („what is it like to be …“ bei Thomas Nagel, wobei das nicht nur für Fledermäuse gilt. Genau genommen weiß ich doch nicht einmal, was mein Nächster wirklich empfindet (Kafka*)).
Bewusstsein hat anscheinend die Tendenz, sich in materiellen Objekten zu manifestieren. Materielle Objekte sind in ihrer Existenz zufällig und zeitich begrenz. Das Bewusstsein ist dieser Zeitlichkeit nicht unterworfen, es ist ewig.
Unsere Erinnerungen sind in unserem zeitlichen Gedächtnis gespeichert, und können somit nicht ewig sein. Es gibt kein individuelles ewiges Leben, und auch kein Leben nach dem Tod! Den Ich-Sager mit seiner ganz individuellen Historie gibt es dann nicht mehr! Wohl aber gibt es das nicht individuelles Ewige Bewusstsein!
Wichtig ist es, sein Leben so zu gestalten, dass wir unser Augenmerk immer stärker auf das unmittelbare Erleben konzentrieren, und die Vergänglichkeit immer weniger wichtig nehmen. Stellen wir uns analog vor, wir betrachten eine wunderschöne Blüte. Das Auge ermöglicht es, dass wir die Blüte wahrnehmen, hat aber selber dabei keine Empfindungen. Die Empfindungen entstehen in unserem Gehirn. Vergleichbar ist es wohl mit dem Bewusstsein: wir sind gewissermaßen das Auge, und haben damit die Möglichkeit des bewussten Erlebens.
Das Ewige Bewusstsein ist auch das Band, das uns alle verbindet. Wenn wir einer Amsel bei ihrem Gesang zuhören, dann wirbt das Amsel-Männchen um ein Weibchen, dem der Gesang offensichtlich gefällt. Gleichzeitig gefällt der Gesang aber auch uns! Ist das nicht wunderbar?
Übrigens sind solche Gedanken gar nicht so neu. Schon vor über 2 1/2 Tauend Jahren hat in Nordindien der Philosoph Sidharta Gautama (der „Buddha“) in seiner Anatta-Lehre Ähnliches gedacht, und auch Denker der Mystik haben sich ähnlich geäußert (z.B. das „Seelenfünkchen“ Meister Eckharts), ebenso das „Ewige Bewusstsein“ bei Søren Kierkegaard.
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*Franz Kafka
„Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.“

Anatta

Freitag, Februar 28th, 2014

Vor 2 1/2 Tausend Jahren lebte in Nord-Indien der Philosoph Sidharta Gautama (der später der „Buddha“ genannt wurde). Gautama war zunächst gläubiger Brahmane, für ihn galt somit die Gleichung „Atman = Brahman“ (Seele und Gott sind eins). Nach Meditationen und tiefem Nachdenken gelangte er zu der Einsicht, dass beide Seiten der Gleichung Null sind: es gibt weder Seele noch Gott. Er begründete damit die Anatta-Lehre (Pali für „Nicht-Selbst“, auf Sanskrit: „Anatman“).
Damit hat er die Wiedergeburts-Lehre aufgehoben (was wird denn wiedergeboren, wenn kein Atman ist?), und auch das Problem der Theodizee gibt es dann nicht mehr (welcher Gott sollte für das Übel in der Welt verantwortlich sein, wenn keiner vorhanden ist?).
Zunächst scheint die Lehre reiner Nihilismus zu sein. Ich glaube aber, dass die Lehre vielmehr dazu geeignet ist, eine oberflächliche Betrachtungsweise beieseite zu räumen, um auf eine tiefere Ebene zu gelangen.
Die Welt ist derart rätselhaft, dass sich eine vorschnelle Betrachtungsweise verbietet. Wir müssen vielmehr versuchen, eine Welt zu verstehen, in der Individualität nur eine temporäre Erscheinung ist. Letztlich gipfeln alle Überlegungen in dem eine Punkt: Nirvana.

Atman = Brahman

Mittwoch, August 8th, 2012

Atman = Brahman …
sagen die Brahmanen. Buddha sah das anders, und strich kurzerhand beide Seiten der Gleichung : es gibt weder Atman noch Brahman! Deutlich wird das in der Anatta-Lehre, der Lehre vom Nicht-Selbst. In dieser Form wird dann auch die Wiedergeburts-Lehre überflüssig (auch wenn sie immer noch in vielen Buddhismus-Schulen herumgeistert).
Zweieinhalb Jahrtausende nach Buddha sind auch Hirnforscher und ihnen nahe stehende Philosophen zu dem selben Ergebnis gekommen.
Nun gibt es auch noch andere Möglichkeiten: man streiche nur eine der beiden Seiten (wodurch aus dem Gleichheitszeichen ein Ungleichheitszeichen würde):
Atman gibt es nicht oder
Brahman gibt es nicht !
Ich möchte mich hier nur mit dem ersten Fall befassen: Atman gibt es nicht, es gibt keinen bleibenden Kern im Menschen. Die Persönlichkeit eines Menschen entwickelt sich erst im Laufe seines Lebens.
Es bleibt dann allerdings ungeklärt, wie Bewusstsein zustande kommt. Ich könnte ja auch als Zombi existieren, ohne ein bewusstes Leben, indem ich einfach funktioniere, um mein Leben zu erhalten, und um mich fort zu pflanzen. Nun weiß ich aber von meiner Existenz, ich empfinde das Leben. Darüber hinaus kommt noch die eigenartige Tatsache, dass von z.Z. 7 Millionen Menschen auf der Erde genau einer hier und jetzt ich bin! Und das auf einem winzigen blauen Planeten in den unermesslichen Weiten des Weltalls (von dem wir nicht mal wissen, wie es denn wirklich beschaffen ist).
Es gibt nichts, was mich speziell auszeichnet, um mich als genau das Wesen zu identifiezer, das ich bin. Die Gene sind es nicht, weil es eineiige Zwillinge gibt.
Nun wird jeder Mensch sich irgendwann die Frage stellen: warum bin ich genau der, der ich bin? Warum bin ich nicht ein andereres an einem anderen Ort oder zu einem anderen Zeitpunkt lebendes Wesen?
Wir sind natürlich entstandene Informationsverarbeitungssysteme (wie Metzinger sich ausdrückt). Da aber dieser mein Körper mit seinem Gehirn und seinen Sinnesorganen (seinem „Informationsverarbeitungssystem“) sich z.Z. genau an diesem Ort (und nirgens anders) befindet, kann er sich natürlich auch nicht anders identifizieren.
Nur bleiben noch viele Fragen offen, z.B. die Frage, ob es mich als Wesen mit genau meinem Bewusstsein geben würde, wenn die Eizelle, aus der ich entstanden bin, von einer anderen Spermie befruchtet worden wäre, ad infinitum.
Ich stelle folgende Hypothese auf:
Das gesamte Weltall ist von einem Art Scalarfeld erfüllt, nennen wir es Allheit, ewiges Bewusstsein, Brahman, Tao, oder wie auch immer. Dieses Feld verleiht geeignet entwickelten Wesen Bewusstsein, das dann von diesen Wesen wieder entsprechend ihres Entwicklungsstandes so verarbeitet wird, dass sie Bewusstsein irgendwie empfinden, sei es einfach nur als empfundenes Leben (bei sehr einfachen Lebewesen), oder auch höher empfundenes Bewusstsein.
Die zu Bewusstsein fähigen Individuen sind flüchtig, das ewige Bewusstsein aber ist weder Raum noch Zeit unterworfen. Die Wiedergeburtslehre wird dadurch überflüssig. Jeder von uns enthält gewissermaßen alles in sich, was bisher und an allen Orten war, und was z.Z. ist. Das Bewusstsein ist das gemeinsame Band, das alle bewussten Lebewesen der ganzen Welt verbindet.

Vom Anfang

Dienstag, Dezember 27th, 2011

Wir reden viel über unseren derzeitigen Zustand und das zu erwartende Ende, aber wenig darüber, wie es denn eigentlich dazu gekommen ist, dass z.B. ich hier sitze und darüber nachdenke. Dabei ist diese Tatsache doch überaus wichtig.
Zunächst gibt es da die nicht beantwortbare Leibniz’sche Grundfrage, warum es denn überhaupt etwas gibt, und nicht vielmehr nichts.
Dann finden wir eine Welt vor, die so beschaffen ist, dass unter geeigneten Bedingungen Leben entstehen kann (Feinabstimmung der Naturkonstanten), und das sich dann bis hin zu bewusst wahrnehmendem Leben entwickeln kann (Anthropisches Prinzip).
In den unermesslichen Weiten des Weltalls gibt es (mindestens) einen winzigen blauen Planeten, der genau diese Bedingungen erfüllt. Auf diesem Planeten hat sich nach den Darwinschen Regeln Leben entwickelt bis hin zum Menschen.
Die Zahl der Menschen, die es bisher gegeben hat und z.Z. gibt, ist abzählbar endlich. Wenn wir jetzt auf der Ahnenreihe des homo sapiens willkürlich irgendwo einen Nullpunkt setzen, von dem wir beginnen zu zählen, dann gelangen wir zu einem Menschen, der hier sitzt und genau dies denkt und schreibt:

… x(1), x(2) ….. x(n-1), x(n), x(n+1), …… x(N(t))

wobei N die ständig wachsende Gesamtzahl aller Menschen ist, die bisher gelebt haben, und z.Z. leben.
Hierbei ist x(n) genau der Mensch, der hier sitzt und schreibt.
Nur warum gerade x(n), warum nicht x(n-1) oder x(x+1) oder sonstwer?
Ich unterscheide mich von allen anderen Menschen zwar in meiner Genstruktur, da es aber eineiige Zwillinge gibt, die ja zwei unterschiedliche Menschen sind, kommen die Gene zur Beantwortung dieser Frage nicht in Betracht. Meine Gene bestimmen (u.a.) zwar, wie ich bin, nicht aber wer ich bin. Von daher ist auch die Frage, ob ich noch das selbe Bewusstsein hätte, wenn die Eizelle, aus der ich entstanden bin, von einer anderen Spermie befruchtet worden wäre, oder wenn meine Ahnenreihe bis zu den Änfängen des Lebens anders verlaufen wäre, völlig sinnlos.
Es gibt einen normal entwickelten homo sapiens x(n), der sich darüber Gedanken macht, und dieser homo sapiens bin nun mal ich, mehr lässt sich dazu nicht sagen.
Ich besitze ein autobiographisches Gedächtnis, in dem meine Erlebnisse der Vergangenheit gespeichert sind. Wer das und das erlebt hat, der bin ich. Damit wäre eine eindeutige Unterscheidung von x(n) gegenüber allen anderen Menschen möglich. Das autobiographische Gedächtnis ist notwendig, um ein zeitlich stabiles Selbstgefühl auf zu bauen. Nur kann damit nicht erklärt werden, weshalb ich genau der bin, der ich bin.
Nehmen wir mal an,es gäbe außer den bisher erforschten Naturgesetzen noch etwas, das weitgehend unerforscht ist, und bisher auch (im Abendland) noch keinen Namen erhalten hat, das aber von bestimmten geeignet entwickelten Individuen wahrgenommen werden kann. Bei höheren Tieren äußert sich dieses Wahrgenommene als das Gefühl, jemand zu sein, und speziell beim Menschen als Bewusstsein.
Einer davon bin ich. Da aber dieses Namenlose auch von anderen Lebewesen mit geeigneter Konstitution wahrgenommen wird, verschwindet das Individuelle genau dann, wenn ich mich mit diesem Namenlosen identifiziere und die Welt aus dieser Perspektive betrachte. Die Person x(n) ist jetzt eine unter vielen, die eine Zeit lang an einem bestimmten Ortsbereich existiert. Irritationen treten immer dann auf, wenn wir unsere Standpunkte verwechseln, wenn wir z.B. versuchen, von einem nicht-individuellen Standpunkt aus unsere Individualität zu verstehen, den Standpunkt aber für individuell halten.

Bewusstsein als Eigenschaft der Natur 11.08.2011

Donnerstag, August 11th, 2011

These: „Bewusstsein“ ist eine Eigenschaft der Natur, wie z.B. Energie, Raumzeit etc.

„Bewusstsein“ hier in Anführungszeichen, weil sich hinter diesem Begriff ein ganzer Komplex von Bedeutungen verbirgt.
Eine Analogie: Wir sehen eine grüne Wiese. Physikalisch werden Lichtwellen bzw. Lichtquanten von der Wiese reflektiert. Wir empfangen diese mit unserer Netzhaut, wo sie Nervenimpulse erzeugen, die an das Gehirn weiter geleitet werden.Nur sehen wir keine Lichtquanten bzw. Lichtwellen, sondern die Farbe grün. Wir interpretieren also die physikalische Tatsache in einer Weise, dass wir den subjektiven Eindruck einer Farbe haben. Niemand weiß, ob mein Nebenmann die Wiese genau so sieht wie ich; die Art der Interpretataion ist eine persönliche Angelegenheit.
Ähnlich könnte es mit dem „Bewusstsein“ sein. Nehmen wir an, es gäbe da etwas in der Natur, nennen wir es „ewiges Bewusstsein“, „Weltgeist“ oder „Tao“, und jedes Lebewesen kann dieses etwas in sich aufnehmen und entsprechend seiner spezifischen Beschaffenheit interpretieren, dann würde jeder sein spezielles individuelles Bewusstsein entwickeln. Es entsteht dadurch die Illusion der Individualität. Unser wahres Sein spielt sich aber jenseits der Individualität ab. Das Problem, weshalb Mensch Nr. N genau ich bin, entpuppt sich damit als Scheinproblem, wenn ich davon ausgehe, dass sich mein wahres Sein, und das aller Lebewesen, jenseits der Individualität, und jenseits von Raum und Zeit, abspielt. Indem wir unseren Standpunkt von unserem individuellen ICH zu diesem „Tao“ verschieben, und damit einen „Blick von nirgendwo“ (Thomas Nagel) einnehmen, schrumpft dieses ICH in der Masse aller Ichs zur Bedeutungslosigkeit. Mensch Nr. N ist jetzt einer unter vielen ohne besondere Auszeichnungen.

Die großen Fragen

Samstag, März 26th, 2011

Die großen Fragen

1: Leibnitz: Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?

2: Welche Bedeutung hat die Tatsache, dass die Evolution Wesen hervorgebracht hat, die ihr Dasein spüren, und dass einige Wesen sogar über ihr Dasein nachdenken können, um diese Fragen zu stellen?
2a: Wieso ist das Weltall so beschaffen, dass überhaupt solche Wesen entstehen können (Feinabstimmung der Naturkonstanten, Anthropisches Prinzip)?

3: Wie kann es sein, dass auf einem winzig kleinen blauen Planeten in den unermesslichen Weiten des Weltalls es Wesen gibt, die über ihr eigenes Dasein nachdenken, und genau eines davon, das während einer bestimmten Zeitspanne auf diesem Planeten lebt, ich bin (Gefragt aus der 1.Person-Perspektive)?

Wenn meine Eltern mich nicht gezeugt hätten ….

Donnerstag, September 3rd, 2009

Søren Kierkegaard in „Das ewige Bewusstsein im Menschen“:
Wenn kein ewiges Bewusstsein wäre im Menschen, wenn allem nichts als eine wild gärende Macht zugrunde läge, die, in dunklen Leidenschaften sich windend, alles hervorbrächte, was groß ist und was gering ist, wenn eine abgründliche Leerheit, nimmer sich sättigend, sich unter allem verbärge, was wäre dann das Leben andres als Verzweiflung?

“Wenn meine Eltern mich nicht gezeugt hätten …. “
Als ich ein kleiner Junge war, aber schon wusste, woher die Kinder kommen, sagte meine Mutter zu mir: ”Wenn wir gewusst hätten, dass es Krieg gibt, dann hätten wir dich nicht mehr gezeugt” (ich bin Jahrgang 1938). Damals war ich sehr erschrocken, die Frage beschäftigte mich dann aber mein Leben lang.
Die Überschrift würde wohl fast jeder ergänzen zu “… dann gäbe es mich nicht”. Das scheint doch völlig logisch zu sein. Aber betrachten wir die Sache doch einmal genauer: Wenn meine Eltern mich nicht gezeugt hätten, dann gäbe es mich nicht. Wer aber ist dieses mich ? Doch wohl derjenige, der diese Gedanken hat und aufschreibt, und das, weil es mich gibt. Hier liegt also ein Selbstbezug vor.
Als meine Eltern mich gezeugt haben, da hatten sie keine Vorstellung von meinem Bewusstsein. Nicht einmal das Geschlecht konnten sie sich auswählen. Sie wollten einfach nur noch ein Kind haben, und das wurde dann ich. Vier Jahre vorher hatten meine Eltern schon mal gezeugt, und es wurde meine Schwester. Warum damals sie, und vier Jahre danach dann ich? Warum nicht umgekehrt?
Was macht mich nun so einmalig?
Ich unterscheide mich von allen anderen Lebewesen durch die Einmaligkeit meiner Gene. Da es aber eineiige Zwillinge gibt, die ja zwei verschiedene Menschen sind, d.h. jeder ein eigenes Bewusstsein hat, scheiden die Gene für meine Identität aus. Sie bestimmen, wie ich bin, nicht aber wer ich bin.
Wohl aber unterscheide ich mich in meiner Historie von allen anderen Lebewesen. Ab ca. dem 2. Lebensjahr werden alle meine Erlebnisse in meinem Gehirn gespeichert, und könnten zu mindest im Prinzip erinnert werden. Ein Kleinkind erlebt die Welt unmittelbar, lebt nicht in der Zeit, lebt somit “ewig“. Nach ca. dem 2. Lebensjahr tritt es in die Zeit ein, um dann evtl. im hohen Alter wieder in einen ähnlichen Zustand wie ein Kleinkind zu fallen, somit wieder (aus seiner eigenen Sicht) “ewig” zu leben.
Damit haben wir für unseren “zeitlichen” Lebensabschnitt ein Unterscheidungsmerkmal gefunden. Damit kennen wir aber noch lange nicht den Mechanismus, der aus meiner Historie genau mich, d.h. mein Bewusstsein macht, falls es solch einen Mechanismus überhaupt gibt.
Aus der Außenperspektive gesehen ergibt sich folgendes Bild: Mindestens jeder normal entwickelte Mensch besitzt ein Selbstbewusstsein, also ein Wissen davon, dass es ihn gibt. Einer dieser Menschen, einer von vielen Milliarden, die es bisher gegeben hat und z.Z. gibt, sitzt hier und denkt über dieses Thema nach. Und da er ein normal entwickelter Mensch ist, muss er ein Selbstbewusstsein haben. Nur warum gerade mein Selbstbewusstsein?
Aus der Innenperspektive gesehen kann es aber gar nicht anders sein als dass ich es bin, der diese Gedanken hat, weil ich ja weiß und spüre, dass es mich gibt.
Letztlich landen wir bei der Tautologie: Es gibt mich, weil es mich gibt.
Mathematisch Gebildete kennen das Problem mit den Selbstbezügen in der Logik. Unter selbstbezüglichen Aussagen gibt es einige wahre Aussagen, deren Wahrheit nicht beweisbar ist. Am einfachsten die Aussage über sich selbst: “Diese Aussage ist nicht beweisbar” oder “Ich bin nicht beweisbar“. Wenn diese Aussage wahr ist, dann stimmt, was sie selber sagt, dass sie nicht beweisbar ist. Wenn die Aussage falsch ist, dann wäre sie beweisbar, aber falsch, und mit falschen Aussagen können wir nichts anfangen. Die mathematische Logik ist deshalb prinzipiell unvollständig (Gödel 1931).
Unser Titelproblem ist ein ontologisches. Wenn wir aber ontologische Aussagen machen wollen, und uns nicht auf Glaubenssätze beschränken wollen, dann müssen wir diese Aussagen auch beweisen, und das ist allerdings ein logisches Problem. Da es sich hier aber um selbstbezügliche Aussagen handelt (ich denke über mich nach), stehen wir hier vor dem gleichen Dilemma wie in der mathematischen Logik: Es gibt mich, aber ich kann nicht sagen, weshalb es mich gibt. Es gibt prinzipielle Grenzen unseres Wissens. Wir können nicht alles wissen, und zwar nicht nur, weil wir zu dumm sind, sondern weil es prinzipiell nicht geht. Wir können aber sehr wohl sagen, wo diese Grenzen liegen, und unser hier erörtertes Problem ist wohl ein solches.
Letztlich können wir nur staunend die Welt betrachten, und einer mystischen Betrachtungsweise der Welt ihr Recht eingestehen.
Mystik ist eine Innensicht, deren Ergebnis deshalb auch immer ein persönliches ist. Es verbietet sich somit jede Form von Ideologie (und letztlich auch Religion, die ja auch grundsätzliche, und bei den verschiedenen Religionen sich z.T. widersprechende Aussagen macht).
Ich kann mir das nur so vorstellen, dass es ein allumfassendes Bewusstsein gibt, und dass jedes Lebewesen während seiner begrenzten Lebenszeit sich ein bisschen Bewusstsein “borgt” (entsprechend seinem Entwicklungszustand). Das Bewusstsein ist somit das gemeinsame Band, das alle Lebewesen miteinander verbindet, wobei unter Bewusstsein nicht nur das Selbstbewusstsein gemeint ist (das es in seiner ausgeprägten Form wohl nur bei höheren Primaten gibt), sondern auch jede Form von Empfindung des eigenen Seins.

Können wir das Sein verstehen?

Sonntag, März 8th, 2009

(Anregungen aus:
L.Wittgenstein: Tractatus
E.Tugendhat: Egozentrizität und Mystik, 7.Kapitel : Staunen)

Leibniz stellte die Frage: “Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?”.
Offensichtlich wunderte Leibniz sich darüber, dass es überhaupt etwas gibt. Nur geht das überhaupt?
Wer sich über die Existenz der Welt wundert, der würde ja als “normal” empfinden, wenn es die Welt nicht gäbe. Das würde er erwarten. Nur dann wäre aber auch niemand da, der sich nicht wundern würde, so dass die Leibnizsche Frage gar nicht beantwortbar ist.
Das Seiende ist die Voraussetzung unserer Existenz, und somit “normal”, und nicht weiter hinterfragbar. Wir können über das Sein staunen, können uns aber nicht darüber wundern.

Naturalisierung des Bewusstseins?

Samstag, Januar 3rd, 2009

Unter Hirnforschern und ihnen nahestehenden Philosophen (genannt seien hier die Hirnforscher Gerhard Roth und Wolf Singer und der Philosoph Thomas Metzinger) ist eine regelrechte Naturalisierungs- bzw. Reduzierungs-Euphorie ausgebrochen. Unsere gesamte Erlebniswelt wird auf Gehirnfunktionen reduziert, und die betreffenden Forscher sind anscheinend davon überzeugt, dass damit unsere Erlebniswelt restlos geklärt werden kann. Aber gibt es hier nicht grundsätzliche Grenzen?
Zweifellos werden Hirnforscher feststellen können, was sich in meinem Gehirn tut, wenn ich z.B. die Farbe rot sehe. Aber können sie dann auch erklären, warum ich diese Farbe so sehe wie ich sehe? Ich kann ja noch nicht einmal wissen, ob ein andere Mensch (z.B. der messende Hirnforscher) die Farbe genau so sieht wie ich. Die gleiche Frage gilt für das gesamte Qualia-Problem (siehe hierzu Thomas Nagel: what is it like do be a bat?).
Und wie sieht es mit unserem Selbst-Bewusstsein aus, also unserem Wissen, dass es uns gibt? Dazu müssen wir die Frage aus der Erste-Person-Perspektive stellen: wie ist es möglich, dass ein zufällig in die Welt geborener Körper mit der “Seriennummer” X ausgerechnet mit meinem bewussten ICH gekoppelt ist? Was wäre denn, wenn die Eizelle, aus der ich entstanden bin, von einer anderen Spermie befruchtet worden wäre, wäre der Körper Nr. X dann noch ICH, oder wäre er dann mein Bruder oder meine Schwester, und mich gäbe es dann nicht? Körper Nr. X hätte dann andere Gene, da aber ja eineiige Zwillinge verschiedene Menschen sind, kann die Genstruktur offensichtlich keinen Einfluss darauf haben, mit wem der Körper Nr. X gekoppelt ist (Man stelle sich ein eineiiges Zwillingspaar vor, A und B, und A fragt sich eines Tages: warum bin ich A und nicht B?). Mich würde es also wohl auch geben, wenn die Genstruktur meines Körpers eine andere wäre.
Vier Jahre vor meiner Geburt wurde meine Schwester geboren. Warum ist ihr Körper Nr. L mit dem Selbstbewusstsein meiner Schwester gekoppelt und nicht mit meinem? Ich bin offensichtlich mit dem Körper Nr. X gekoppelt, und mit keinem anderen. Wenn die Genstruktur aber keinen Einfluss auf diese Tatsache hat, dann wäre es ja völlig gleichgültig, wer diesen Körper Nr. X geboren hat. Wenn z.B. meine Eltern kein zweites Kind gezeugt hätten, dann würde die Seriennummer X auf einen von anderen Eltern gezeugten Körper zutreffen, vielleicht von Eltern einer anderen Spezies. Wäre Körper Nr. X dann aber wirklich ICH? Und wenn meine Eltern einen Monat früher ihr zweites Kind gezeugt hätten, gäbe es mich dann als dieses Bewusstsein, oder stattdessen meine Bruder oder meine Schwester?

Das einzige wirklich unverwechselbare Merkmal von Körper Nr. X ist seine Historie. Ab einem Alter von 2 bis 3 Jahren erinnert sich der Mensch an Vergangenes. Wer das und das erlebt hat, der bin ich! Und danach würde durch neue Erlebnisse das ICH-Bewusstsein aufrecht erhalten. Nur ist damit die obige Frage geklärt? Und wenn ja, wie sollte das geschehen? Dann müssten die Erlebnisse ja selber einen Einfluss auf meine Identität haben, und Menschen ohne Gedächtnis (in der frühen Kindheit oder nach einer Hirnerkrankung) hätten dann keine Identität? Da solche Menschen aber ja zweifellos empfindungsfähig sind, muss man ihnen ja wohl auch Identität zuschreiben.
Wir wissen seit über zweitausend Jahren, dass die mathematische Logik Probleme mit selbstbezüglichen Aussagen hat (Epidemides der Kreter mit seiner berühmten Aussage: “Alle Kreter sind Lügner“). Seit 1931 (Kurt Gödel) wissen wir, dass aufgrund solcher Probleme die mathematische Logik nicht vollständig ist: es gibt Wahrheiten, die nicht beweisbar sind. Mir scheint es, dass wir es hier bei den aus der Erste-Person-Perspektive gestellten selbstbezüglichen Fragen mit einer ähnlichen Begrenzung unseres Wissens zu tun haben.