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Anatta

Freitag, Februar 28th, 2014

Vor 2 1/2 Tausend Jahren lebte in Nord-Indien der Philosoph Sidharta Gautama (der später der „Buddha“ genannt wurde). Gautama war zunächst gläubiger Brahmane, für ihn galt somit die Gleichung „Atman = Brahman“ (Seele und Gott sind eins). Nach Meditationen und tiefem Nachdenken gelangte er zu der Einsicht, dass beide Seiten der Gleichung Null sind: es gibt weder Seele noch Gott. Er begründete damit die Anatta-Lehre (Pali für „Nicht-Selbst“, auf Sanskrit: „Anatman“).
Damit hat er die Wiedergeburts-Lehre aufgehoben (was wird denn wiedergeboren, wenn kein Atman ist?), und auch das Problem der Theodizee gibt es dann nicht mehr (welcher Gott sollte für das Übel in der Welt verantwortlich sein, wenn keiner vorhanden ist?).
Zunächst scheint die Lehre reiner Nihilismus zu sein. Ich glaube aber, dass die Lehre vielmehr dazu geeignet ist, eine oberflächliche Betrachtungsweise beieseite zu räumen, um auf eine tiefere Ebene zu gelangen.
Die Welt ist derart rätselhaft, dass sich eine vorschnelle Betrachtungsweise verbietet. Wir müssen vielmehr versuchen, eine Welt zu verstehen, in der Individualität nur eine temporäre Erscheinung ist. Letztlich gipfeln alle Überlegungen in dem eine Punkt: Nirvana.