Vom Anfang

Wir reden viel über unseren derzeitigen Zustand und das zu erwartende Ende, aber wenig darüber, wie es denn eigentlich dazu gekommen ist, dass z.B. ich hier sitze und darüber nachdenke. Dabei ist diese Tatsache doch überaus wichtig.
Zunächst gibt es da die nicht beantwortbare Leibniz’sche Grundfrage, warum es denn überhaupt etwas gibt, und nicht vielmehr nichts.
Dann finden wir eine Welt vor, die so beschaffen ist, dass unter geeigneten Bedingungen Leben entstehen kann (Feinabstimmung der Naturkonstanten), und das sich dann bis hin zu bewusst wahrnehmendem Leben entwickeln kann (Anthropisches Prinzip).
In den unermesslichen Weiten des Weltalls gibt es (mindestens) einen winzigen blauen Planeten, der genau diese Bedingungen erfüllt. Auf diesem Planeten hat sich nach den Darwinschen Regeln Leben entwickelt bis hin zum Menschen.
Die Zahl der Menschen, die es bisher gegeben hat und z.Z. gibt, ist abzählbar endlich. Wenn wir jetzt auf der Ahnenreihe des homo sapiens willkürlich irgendwo einen Nullpunkt setzen, von dem wir beginnen zu zählen, dann gelangen wir zu einem Menschen, der hier sitzt und genau dies denkt und schreibt:

… x(1), x(2) ….. x(n-1), x(n), x(n+1), …… x(N(t))

wobei N die ständig wachsende Gesamtzahl aller Menschen ist, die bisher gelebt haben, und z.Z. leben.
Hierbei ist x(n) genau der Mensch, der hier sitzt und schreibt.
Nur warum gerade x(n), warum nicht x(n-1) oder x(x+1) oder sonstwer?
Ich unterscheide mich von allen anderen Menschen zwar in meiner Genstruktur, da es aber eineiige Zwillinge gibt, die ja zwei unterschiedliche Menschen sind, kommen die Gene zur Beantwortung dieser Frage nicht in Betracht. Meine Gene bestimmen (u.a.) zwar, wie ich bin, nicht aber wer ich bin. Von daher ist auch die Frage, ob ich noch das selbe Bewusstsein hätte, wenn die Eizelle, aus der ich entstanden bin, von einer anderen Spermie befruchtet worden wäre, oder wenn meine Ahnenreihe bis zu den Änfängen des Lebens anders verlaufen wäre, völlig sinnlos.
Es gibt einen normal entwickelten homo sapiens x(n), der sich darüber Gedanken macht, und dieser homo sapiens bin nun mal ich, mehr lässt sich dazu nicht sagen.
Ich besitze ein autobiographisches Gedächtnis, in dem meine Erlebnisse der Vergangenheit gespeichert sind. Wer das und das erlebt hat, der bin ich. Damit wäre eine eindeutige Unterscheidung von x(n) gegenüber allen anderen Menschen möglich. Das autobiographische Gedächtnis ist notwendig, um ein zeitlich stabiles Selbstgefühl auf zu bauen. Nur kann damit nicht erklärt werden, weshalb ich genau der bin, der ich bin.
Nehmen wir mal an,es gäbe außer den bisher erforschten Naturgesetzen noch etwas, das weitgehend unerforscht ist, und bisher auch (im Abendland) noch keinen Namen erhalten hat, das aber von bestimmten geeignet entwickelten Individuen wahrgenommen werden kann. Bei höheren Tieren äußert sich dieses Wahrgenommene als das Gefühl, jemand zu sein, und speziell beim Menschen als Bewusstsein.
Einer davon bin ich. Da aber dieses Namenlose auch von anderen Lebewesen mit geeigneter Konstitution wahrgenommen wird, verschwindet das Individuelle genau dann, wenn ich mich mit diesem Namenlosen identifiziere und die Welt aus dieser Perspektive betrachte. Die Person x(n) ist jetzt eine unter vielen, die eine Zeit lang an einem bestimmten Ortsbereich existiert. Irritationen treten immer dann auf, wenn wir unsere Standpunkte verwechseln, wenn wir z.B. versuchen, von einem nicht-individuellen Standpunkt aus unsere Individualität zu verstehen, den Standpunkt aber für individuell halten.

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